Deutschland ist seit jeher Internet-Entwicklungsland.  Privatmenschen wissen mitunter wie selbstverständlich nicht, was ein Weblog ist. Journalisten fragen, wozu ein Blog gut ist, manche haben auch förmlich Angst davor, wenn “Laien” bloggen. Schon schade, aber nicht wirklich schlimm. Schlimm aber wird es, wenn Politiker das Internet zwar nicht verstehen, es jedoch mit Gesetzen nachhaltig verändern. Katastrophal schließlich wird es, wenn selbst (einigermaßen) verständige Politiker entgegen ihrer Auffassung Entscheidungen mittreffen.

Deutschland: Ein Entwicklungsland beschließt, Entwicklung zu stoppen

Theorie und Praxis  – wo beides zusammengeht, werden kluge Entscheidungen getroffen.  Mit der Zustimmung zum Jugendmedienschutzstaatsvertrag (kurz: JMStV) beweist die hiesige Politik das krasse Gegenteil. Selten war der Realitätsverlust größer, die Kluft zwischen Theorie und Praxis unüberwindbarer. Wer hier zum echten Cliffhänger zu werden hat, ist schon jetzt klar: Die Blogger, Webseiten-Betreiber – bl0ß aber nicht die Politker. Schließlich hat Politik in Deutschland endgültig zur Talfahrt angesetzt. Ecken und Kanten wurden dabei behutsam abgeschliffen – es soll sich ja niemand ins eigene Fleisch schneiden.

Das einstige Land der Dichter und Denker, das für Werte genau so wie für Kreativität und Innovation stand, entwickelt sich zum Rückschrittsland. Thomas Krüwer schreibt zu Recht in seinem Weblog “Indiskretion Ehrensache“, wie sich Deutschland auf den zentralen Zukunftsgebieten selbst abhängt: Biotechnologie, Umwelttechnologie und das Internet. Die Welt ist im Begriff, sich zu wandeln, aber Deutschland macht  da nicht mit. Das Land und seine Politker tun so, als gäbe es keine Globalisierung, kein INTERNATIONALES Internet. Die ersten Blogs wollen Ihr Angebot ‘vom Netz’ nehmen – ich halte dies nicht für die richtige Entscheidung – das Resultat ist aber klar: Gute Angebote in Deutschland verschwinden, für den Internet-Standort Deutschland (um mal in dieser politischen Perspektive zu bleiben) bedeutet dies nichts Gutes. Die Jugendlichen wird dies weniger stören. Außer, dass sie sich nur noch stärker auf internationalen Websites tummeln werden. Doch die werden dann vermutlich immer öfter auch in deutscher Sprache verfügbar sein. So macht man das ‘deutsche Internet’ kaputt, während die Problematik lediglich ausgelagert wird. Wenigstens reiben sich Abmahnanwälte die Hände.

In den Geschichtsbüchern wird man in einigen Jahrzehnten festzumachen versuchen, wann und wo der Anfang vom Ende seinen Ursprung fand. Es mag gut sein, dass er um den Jahreswechsel 2010/2011 markiert werden wird. Ich erinnere mich in dieser Zeit an ein Interview mit dem von mir hoch verehrten Kurt Biedenkopf zurück, das er brand eins gegeben hat. Der darin prophezeite “Aufstand von unten” könnte m.E. Realität werden, S21 ist womöglich nur ein Anfang. Um so mehr wünsche ich mir, dass deutsche Politiker wieder mehr Profil zeigen und sich mit Verstand darauf besinnen, worum es geht. Dass sie zusammenbringen, was Herr Biedenkopf so treffend auf die Frage formuliert: Warum macht man da mit?

“Ja Gott, warum. Weil ich immer noch glaube, dass man etwas verändern kann. Und weil ich auch Verantwortung für Kinder und Enkel trage.”

Von einen Extrem zum anderen:

Zugegeben… die Blogger-Szene spricht vom Angriff auf die Meinungsfreiheit, oder etwa von der Unmöglichkeit, Blogs aufgrund des Jugendmedienschutz-Staatsvertrages weiterhin betreiben zu können. Kaum jemand, der nicht in dieses Horn bläst. Adeversario.de meint… des ist alles ziemlicher Unsin. Polemik trifft also auf Polemik. Der Artikel darf HIER gelesen werden… und es darf auch weiterhin hitzig diskutiert werden:

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