Während die Kerners, Jauchs und Geißens dieser Welt bereits kräftig mit dem Jahr 2009 abrechnen (#gähn), blickt die Internetwelt nach vorne: Was sind die Trends 2010? Unzählige Listen geistern durch das Web 2.0; die meisten davon sind relativ deckungsgleich, manche weisen aber auch interessante Unterschiede auf. Mit dieser Liste gebe ich eine Zusammenfassung dessen, was ich für mich aus all diesen Trends herausgelesen habe.

Social Media Trends 2010: Der Common Sense

  1. Das Real Time-Web: Twitter ist nur der Anfang: Schon bald wird Real Time-Kommunikation im Internet völlig selbstverständlich sein. Personen, Nachrichtendienste und Unternehmen werden drauf angewiesen sein, Informationen sofort verfügbar zu halten. Ständig gibt es neue Informationen, egal wo wir sind – denn schließlich sind wie immer online. Es wird neue Dienste geben (müssen), die diese Masseninformationen speicheren, strukturieren und aufbereiten.
  2. Cloud Computing: Cloud Computing kann durchaus als „computers on the internet“ (Zitat eines Taxifahrers, angeführt von Simon Wardley) gedacht werden, sollte aber als Perspektivenwechsel verstanden werden, indem Produkte zu Services werden. Applikationen und Services können in die Cloud ausgelagert werden – wichtig hierbei ist, dass die Leistungen schnell (on demand) bereitgestellt werden können. Services, die sich in der Cloud befinden, können in eine „abstrakte Ressource ‘Cloud’ aggregiert werden.“ (Quelle: t3n, Ausgabe 4 (2009, S. 30)) Cloud Computing ist damit eine Form, Services auszulagern, um letztlich auch Kosten einzusparen.
  3. Mobile Marketing: Das Internet steckt immer öfter in der Hosentasche. Die Menschen sind damit online, egal wo sie gehen, stehen oder sitzen. Dieser Sachverhalt spielt für das Marketing zunehmend eine wichtige Rolle. Ganz sicher wird in diesem Zusammenhang auch die Lokalisierung von Personen (und damit Lokalisierungsdienste) eine entscheidende Rolle spielen. Hierbei werden Informationen über den Nutzer, bisheriges Kaufverhalten, Orte, die er aufsucht, Kontakte etc. berücksichtigt. Beispiel einer möglichen Nachricht aufs iPhone: „Kontakt xyz hat dir gestern von der neuen ferngesteuerten Waschmaschine vorgeschwärmt. Die hat der viel zu teuer bei Mars Hansi gekauft. Bei Kaufhaus 200m die Straße runter gibt es sie 100 Euro günstiger.“ (natürlich vieeeel zu lang… aber so ungefähr).
  4. Das bottom up-Web: Wie Stowe Boyd auf dem diesjährigen ConventionCamp in Hannover ausführte, wird es immer schwerer, im Internet ein „Zentrum der Macht“ auszumachen: „There’s a lot of power moving from the center to the edge. […] The edge dissolves the center. […] Flow is the new center. Nachrichten werden damit nicht mehr nur geliefert, sondern entstehen aus der Menge heraus und werden in ihr verbreitet.
  5. Umdenken im Online-Marketing: Wenn der Berg (die Masse) nicht zum Propheten (Unternehmen) kommt, muss der Prophet zum Berg kommen: Kunden sind immer häufiger in alle Himmelsrichtungen verstreut und tummeln sich an den verschiedensten Plätzen. Um sie zu erreichen, dürfen Unternehmen nicht mehr nur auf die alten Medien setzen (zu denen auch viele Neue Medien gehören), sondern müssen einen großen Teil in Social Media investieren.
  6. Online-Filme: Bewegte Bilder werden 2010 vieles verändern: Nicht nur, dass sie fester Bestandteil des Online-Marketing werden, leiten sie den Untergang der alten Fernsehlandschaft ein. Fernsehen, so wie wir es heute kennen, wird in einigen Jahren Geschichte sein.
  7. HTML5 (und CSS3): HTML5 und CSS3 werden die Arbeit wesentlich erleichtern. Der heutige  Standard XHTML1 ist damit bald Geschichte. Abwärtskompatibilität, flexible Syntax, Canvas – dies sind wesentliche Vorteile von HTML5.

Communities, konventionelle Weblogs, Microblogs etc. können nicht mehr strikt voneinander getrennt werden; bereits heute zeigt sich, dass alles immer stärker ineinanderfließt: Aggregation, Integration, Kuration – dies sind die Möglichkeiten, um den Sturm im Web zu bündeln, zu verteilen, zu liften und zu sortieren.

Ich halte es für müßig, darüber zu streiten, ob Weblogs nun gehen oder nicht. Sicherlich müssen neue Anreize geschaffen werden, in Form von Inhalten, Funktionen etc. Viel wichtiger als diese Knotenpunkte wird in Zukunft die Information werden, und vor allem ihre Verbreitung. Im Zuge dessen wird sich Knowledge as a Service (KaaS) etablieren.

Internet Trends 2010 plus: Ein Blick über das Jahrzehnt hinaus

  • eLearning: In der klassischen Werbung ist es KISS, im Internet die Usability, um auf das Prinzip der Einfachheit hinzuweisen. Immer mehr Menschen jedoch suchen im Internet nicht nur nach gut aufbereiteten Informationen, sondern nach Wissen. Wissen liegt immer in Form von Informationen vor – um Wissen zu vermittelt stellt sich genau die Frage, in welcher Form es vorliegen und verändert werden können soll. eLearning wird den klassischen Service, den Unternehmen bieten, künftig ergänzen, streckenweise sogar ablösen. Die Potenziale für die Kundenbindung im Internet sind gewaltig.
  • Mensch-Maschine-Interaktion: Derzeit findet dieses Thema hauptsächlich in internationalen Forschungszentren statt. Ziel ist es, die Maschine an die Bedürfnisse der Nutzer anzupassen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis dieses Thema auch im Marketing angekommen ist.
  • Sentiment Analysis: Nach dem Semantic Web kommt das Emotion Web. Stimmungen, Gefühle und Emotionen werden bei der Aufbereitung von Informationen zielgruppengerecht berücksichtigt. Lerninhalte, aber auch Werbebotschaften können so besser übermittelt, Entscheidungen beeinflusst und Handlungen provoziert werden.

Web Trends 2010: Was fehlt in dieser Liste?

Zum Schluss möchte ich auf einige Listen verweisen, die mich inspiriert haben:

Trends für die digitale Zukunft

10 Web Trends to watch in 2010

Was wird 2010 im Bereich Social Media passieren?

30 Web Trends to watch in 2010

Stowe Boyd: The Social Revolution

6 Vorhersagen für die Internetnutzung von morgen

Die Zukunft im Web: Eine Vision

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1 Kommentar

SEO Monster schrieb am 20. Januar 2010 @ 13:43

Gute Aufschlüsselung der aktuellen Trends. Die Real Time Search wird so oder so ein fester Bestandteil jeder Suchmaschine. Hier wird sich twitter noch auf einige nette Deals freuen können.

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